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„Schachnovelle“ von Stefan Zweig


Die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig handelt von einigen Schachpartien, die auf einem Passagierdampfer auf der Überfahrt von New York nach Argentinien zwischen dem 21- jährigen Schachweltmeister Czentovich und einigen Passagieren, denen ein eigenartiger Herr mit hervorragenden Schachkenntnissen zu Hilfe kommt, stattfinden.
Hier trifft der Ich-Erzähler auf die wortkarge Persönlichkeit, den Schachweltmeister Czentovich.
Jener, so erfährt der Erzähler von einem Freund, der ihn begleitet, ist der Sohn eines slawischen Schiffers, jedoch starb sein Vater und er wurde vom Dorfpfarrer adoptiert, der ihn zu erziehen und ihm Bildung nahe zu legen versuchte, was aber an dem beschränkten Geist Czentovichs scheiterte.
Eher durch einen Zufall kam Czentovich schließlich zum Schach, welches alsbald zu einer Monomanie wurde. Trotz seines Erfolges in diesem Logikspiel, seinem daraus folgenden Weltruhm und dem Reichtum zu dem er gelangte, kann er keine Schachpartie durch schlichtes Denken nachvollziehen, sondern muss immer die Position der Steine nachgestellt vor sich sehen.
Aus Interesse an diesem Menschen, an den man nicht heran zu kommen vermag, beginnt der Erzähler als Lockmanöver sich demonstrativ in den Smoking-Room an einen Schachtisch zu setzen.
Ein Amerikaner namens McConnor, gesellt sich zu ihm und entwickelte nach der ersten verlorenen Partie einen Spielehrgeiz. Czentovich beißt aber nicht an den Köder an und der Erzähler bedient sich des Ehrgeizes McConnors und erzählt ihm, dass jener Schachmeister an Bord sei. Daraufhin geht McConnor auf den selbigen zu und bezahlt für eine Partie, die am nächsten Tage stattfinden solle.
Am darauf folgenden Tag spielt Czentovich mit kurzer Verspätung gegen eine Gesellschaft von ca. acht Männern, da eine Simultanpartie wegen Platzmangels nicht zu realisieren ist. Als die Herren die zweite Partie zu verlieren drohen, stößt ein weiterer Herr hinzu, mit dessen Hilfe sie ein Unentschieden erringen können.
Man verabredet eine weitere Partie für den nächsten Tag, da Czentovich nun an dem unbekannten Spieler interessiert ist. Der Erzähler soll diesen von einer Teilnahme überzeugen, da er wie der Unbekannte Österreicher ist.
Der Unbekannte, nun Dr. B., erklärt seine Beweggründe indem von seiner Gestapo-Gefangenschaft berichtet. So war er gefangen genommen worden, um von den Nazis verhört zu werden. Seine Zelle war ein Hotelzimmer, welches vollkommen von der Außenwelt abgesondert war. Dort befand sich nur spartanische Einrichtung und keinerlei Ablenkung. Nach einigen Wochen Gefangenschaft begannen die Verhöre an seinem Geist und Willen zu zehren. Jedoch gelangte er an eine Sammlung von 150 Schachpartien, jene lernte er auswendig, um sich zu beschäftigen und versuchte später gegen sich selbst zu spielen. Dies hatte eine Schizophrenie zu folge. Es gelang ihm zu fliehen und ihm wurde von seinem Arzt verboten, jemals wieder Schach zu spielen.
Um die Gelegenheit als Selbstversuch zu nutzen, willigt er jedoch in die Partie ein.
Am nächsten Tag wird die Partie durchgeführt und Dr. B. verliert den Bezug zur Realität. Dem Erzähler gelingt es erst nach einer Weile ihn davon abzuhalten weiter zu spielen.


In der Schachnovelle werden zwei komplett verschiedene Charaktere, die eine vollkommen gegensätzliche Entwicklung, mit allerdings gleicher Basis, durchleben, dargestellt.
Beide Figuren haben gewisse Eigenschaften, die mit dem Schachspiel verglichen werden können. So ist der Geist Czentovichs beschränkt, wie das Schachspiel auf 64 Felder begrenzt ist. Er hat eine Monomanie für das Schach entwickelt, die ihn begrenzt hält und ihn nichts anderes machen lässt. Diese Monomanie lässt ihn aber seine Schachfähigkeiten bis zur Perfektion reifen. An sich aber ist er schon immer ein lernresistenter Mensch und besitzt keinerlei Vorstellungskraft. So bedient er sich des stupiden Mittels des Nachstellens von Partien auf einem Schachbrett, um zu rekapitulieren und zu verbessern. Er muss Schach immer real vor sich sehen, um es zu begreifen.
Sein enormer Erfolg auf diesem Gebiet überfordert jedoch diesen eingeschränkten Geist und lässt ihn eingebildet und oft fast unhöflich erscheinen.
Dieses Verhalten steht im totalen Gegensatz zu jenem des Dr. B.
Dr. B. kam in seiner Gefangenschaft unter der Gestapo zu dieser Passion des Schachs. Er wurde damals von der Außenwelt abgegrenzt und in eine monotone, spartanische, wenn auch relativ komfortable Zelle gesperrt und immer wieder zum Verhör vorgeführt. Diese Abgeschiedenheit übte einen enormen psychischen Druck auf ihn aus und verdammte ihn zunächst zum unentwegten Nachdenken, was er gesagt hatte und was die Fragen waren, wen er wohl verraten hatte etc.
„Aber das Verhör war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war das Zurückkommen nach dem Verhör in ein Nichts [...]. Denn kaum allein mit mir, versuchte ich zu rekonstruieren…“
(S.52)
Als er dann an jene Schachpartiensammlung kam, füllte sich dieses Nichts mit Schach. Da er kein Spiel hatte, musste er es sich vorstellen, eben dieses tun zu dem Czentovichs Geist nicht fähig ist. Er war gefangen, ohne etwas zu tun, sodass er bald einen Schritt weiter ging. Er begann gegen sich selbst zu spielen, also die Grenzen des Geistes und Verstandes sprengen (S.67). Er hatte sich selbst in die Schizophrenie gestürzt, in ein Schwarz und Weiß geteilt, in einen Zustand, der für die meisten unbegreiflich ist. Er verlor sich immer mehr in dieser Unbegrenztheit der 64 Felder und verlor schließlich jeglichen Bezug zur Realität. Er begann sogar gegen sich selbst wütend zu sein, zu streiten. Selbst im Schlaf ließen ihn seine schachfanatischen Ichs nicht los. Letztendlich gelang es ihm durch einen lautstarken Streit seiner gespaltenen Persönlichkeit, eine Wache an zu locken, sie zu überwältigen und zu fliehen.
Es liegt eine gewisse Ironie darin, von seinem Geist die Grenzen zu sprengen, sich in seiner Unbegrenztheit gefangen nehmen zu lassen, und dadurch aus der realen Gefangenschaft, dem eigentlichen Auslöser dieses Zustands, zu entkommen.
Zu diesen geistigen Widersprüchen kommen noch andere, wie die Tatsache, dass Czentovich sich einschließt um Schachpartien zu rekapitulieren und Dr. B. durch seinen Verschluss von seinem Geist gezwungen wurde Schach an Schach zu denken.
Selbst das Geld ist ein Widerspruch. So verdient Czentovich durch das Schach viel Geld, Dr. B. geriet aber in Gefangenschaft, weil er enorme Geldsummen des Adels und der Klöster verwaltete.
Jedoch kann man die beiden Hauptfiguren nicht direkt wie schwarz und weiß gegenüberstellen.

Mir hat die Schachnovelle sehr gut gefallen, da sie erschreckend und eindrucksvoll jenes Paradoxon des menschlichen Verstandes mit seiner beschränkten Unbegrenztheit und seiner unbegrenzten Beschränktheit dargestellt hat. Auch die Komplexität der Sprache unterstrich dieses widersprüchliche Phänomen des Verstandes.

Fazit: Ich habe Schizophrenie noch nie so schön beschrieben gesehen.




Rezension Narziß und Goldmund von Hermann Hesse

Der Roman „Narziß und Goldmund“ aus dem Jahr 1957 von Hermann Hesse handelt von der besonderen Freundschaft zwischen einem Mönch und einem Vagabunden vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Kultur während der Pest.
Goldmund kommt als Junge ins Kloster Mariabronn, in dem Narziß als Lehrgehilfe den Novizen Sprachunterricht gibt.
Zwischen den beiden entsteht eine sehr innige Freundschaft und Narziß gelingt es, Goldmunds wahres ‚Ich’ zu erkennen. Auf Narzißens Hinweis hin, verlässt Goldmund heimlich das Kloster und sucht sein Glück in den Armen einer Frau. Er lebt nun als Vagabund und lernt das Wanderleben mit allen Härten kennen.
Geprägt von vielen Liebschaften entwickelt sich das von ihm stets gesuchte Mutterbild. Er wird zudem von der Pest, deren Spuren an den Menschen, und dem Tod seines Weggefährten, den er ersticht, als dieser ihn wegen eines Goldstücks erdrosseln wollte, geprägt.
Nach vielen Jahren des Vagabundenlebens kommt er zum Meister Nikolaus und erlernt von ihm das Kunsthandwerk. Jedoch lehnt er ab, dessen Tochter zu heiraten und zieht nach drei Jahren Stadtleben erneut hinaus.
Schließlich kehrt er zurück ins Kloster zu seinem Freund Narziß und arbeitet dort in einer Werkstatt auf dem Klostergelände für das Kloster.
Jedoch macht er nach seinem ersten vollendeten Werk Urlaub und wandert den Sommer über durch die Welt.
Alt und krank kommt er wieder ins Kloster zurück und stirbt nach einem letzten Gespräch mit Narziß.



„Narziß und Goldmund“ behandelt in sprachlich anspruchsvoller Weise Freundschaft, Religion und menschliches Verhalten in Extremsituationen.
Die Freundschaft zwischen den beiden Männern bewegt sich teilweise auf dem Niveau der höfischen Liebe und stellt das Idealbild der Freundschaft oder der Liebe dar – eine Freundschaft fürs Leben.
Die Religion erscheint im Laufe des Romans in verschiedener Form und ist allgegenwärtig.
Sie tritt zum einem als katholisches Christentum auf, welches durch den Schauplatz (mittelelterliches Deutschland) bedingt ist, zum anderen findet es Ausdruck im Kloster und der Schlüsselfigur der Maria.
Auch das Judentum und das Leid, welches den Juden unter den Christen widerfahren ist, werden behandelt. Dies wird durch eine von Goldmunds Lieben, welche sich aber auf Distanz abspielt und keinesfalls als Liebschaft zu bezeichnen ist, verdeutlicht. Es handelt sich hierbei um die Jüdin Rebecca, die als einzige eine wahre Massenhinrichtung der Juden überlebte.
Außerdem erscheint eine im Grunde alte, die wohl ursprünglichste Religion: das Mutterbild, der Glaube an Mutter Erde. Jenes Mutterbild wird durch Goldmunds Erlebnisse geprägt. Es ist die Mutter, die Geburt, Leben und Tod verkörpert. Eine Mutter, die der Maria und allen Frauen gleicht. Es ist Goldmunds wahre Religion, nachdem er im Laufe der Zeit die Verbindung zum abstrakten Christentum verliert und mehr und mehr zur Mutter Erde findet.
Die gesamte Geschichte spielt vor dem Hintergrund von gesellschaftlichen Extremen und Widersprüchen.
Am Anfang ist das Kloster mit strengem Tagesablauf und Zölibat Schauplatz.
Später ist es der harte Winter, der Hunger, der Tod, die Pest und ihre Folgen auf Körper, Geist, Gesellschaft und die Judenverfolgung.
Dagegen steht gesittetes Leben in Stadt, Burg oder auch nur in einer kleinen Waldhütte.
Goldmunds ganzes Leben besteht aus unterschiedlichen Lebensumständen und genauso unterschiedlichen Frauen.


„Narziß und Goldmund“ ist ein hervorragendes Werk und ein spannender Mittelalterroman über Leid und Freud des Lebens, Freundschaft, Liebe und Religion.
Sprachlich ein wahrer Traum mit dem stetigen Drang nach der Suche nach dem Sinn des Lebens.



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